Bryce Canyon: Der perfekte Ein-Tages-Nationalpark

Bryce Canyon NP
Ein Panorama vom Bryce Point aus auf das Amphitheater

Viele, denen ich von meiner Reise erzähle, können mit dem Begriff „Bryce Canyon“ nichts anfangen. Zeige ich jedoch Fotos, kommt meist ein begeistertes „Ahh! Das kenne ich“. Die Steinformationen und das Amphitheater im Bryce Canyon sind (soweit ich weiß) einzigartig.

Nur logisch, dass ich auf meinem Roadtrip durch den Wilden Westen unbedingt dort vorbei schauen muss. Und natürlich auch logisch, dass ich nach Wandermöglichkeiten suche. „Fantastic for Hiking“, „The most beautiful Trail in the World“ und was habe ich nicht sonst noch über Bryce Canyon gelesen – Fans der echten Wildnis, lasst euch davon nicht täuschen! Meiner Erfahrung nach eignet sich der Nationalpark nur bedingt zum (einsamen) wandern, und außerdem reicht ein Tag völlig aus um ihn ausgiebig zu erkunden.

Bryce Canyon NP
Ein Teleobjektiv ist im Bryce wirklich empfehlenswert

Warum der Bryce Canyon eigentlich gar kein Canyon ist

Ein Canyon ist eine Schlucht und entsteht zumeist, indem ein Fluss eine Ebene „zerschneidet“, man hat also eine gerade Fläche mit einem tief einliegenden Schnitt. Der Bryce „Canyon“ liegt hingegen an dem höchsten Plateau der sogenannten „Grand Staircase“, genauer gesagt genau an deren Abbruchkante.

An der Abbruchkante findet man jedoch nicht wie bei einer Treppe eine Steilwand – nein, es entstanden in Jahrmillionen unzählige Hoodoos! Und noch dazu die größte Ansammlung von Hoodoos weltweit. Diese Hoodoos bilden sich durch das Gefrieren und Auftauen von Wasser, dieser Prozess sprengt jedes Jahr kleine Teilchen aus dem Stein. Noch heute verändert sich die Landschaft dort dauernd, man kann nur ahnen, wie es in tausend Jahren dort aussehen wird.

Blue Hour at Bryce
Die blaue Stunde kurz vor Sonnenaufgang. Wie lange der Baum da wohl noch stehen wird?

Hier findet ihr ein PDF mit Karte vom Canyon: Karte von Bryce. Die Ansicht wurde um 90° gedreht, Norden ist zur rechten. Man sieht hier aber sehr schön die Beschaffenheit des Geländes: Oben das Paunsaugunt Plateau (grau), dann beim Übergang von Gelb zu Rot die Abbruchkante, Rot sind die Hoodoos und unten fällt die Grand Staircase weiter ab.

Übrigens: Der Bryce Canyon Nationalpark liegt auf einer Höhe von bis zu 2.700 Metern, es kann hier vor allem Nachts auch im Sommer empfindlich kalt werden.

Bryce Canyon NP
Kurz vor Sonnenuntergang…

Bryce Canyon NP
…und währenddessen

Hinkommen

Der Bryce Canyon liegt auf dem Scenic Highway 12 und fügt sich sozusagen ganz natürlich in eine Route durch den amerikanischen Südwesten ein. Schon die Straße zum Nationalpark ist beeindruckend und schön. Da es in Utah sozusagen keine öffentliche Verkehrsmittel gibt, muss man sich ein Auto für die Fahrt leihen oder trampen.

Scenic Highway 12
Utah ist ein Wunderland an tollen Steinformationen

Was man am Bryce Canyon alles machen kann

Ich persönlich finde, dass man in Bryce nicht so viel machen kann. Deswegen ist er ja auch der perfekte Ein-Tages-Nationalpark 😉 .

  • Wandern: Natürlich! Das kann man schließlich in jedem Nationalpark. Am schönsten fand ich den Fairyland Loop Trail.
  • Autofahren: Das klingt vielleicht jetzt etwas blöd, aber was man auf jeden Fall machen sollte, ist die Straße im Park bis ganz zum Ende zu fahren und sich alle Aussichtspunkte anzuschauen. Es ist zwar ein Dead End, aber dafür ein ganz besonders schönes. Und man kann gefühlt bist zum Grand Canyon blicken (Man steht hier ja ganz oben auf der Treppe…).
  • Das Besucherzentrum: Ich bin eher durch Zufall reingestolpert und dann „ausversehen“ mehrere Stunden geblieben. Und endlich, endlich habe ich hier den Aufbau der Grand Staircase in Utah ganz begriffen! Anschaulich erklärt und super interessant ist es auf jeden Fall einen Besuch wert.
  • Fotografieren: Die schönsten Fotos kann man bei Sonnenaufgang machen, denn dann fangen die Steintürme an so schön zu glühen. Und ein Foto vom Inspiration Point, egal zu welcher Tageszeit, wird zu Hause immer viel Bewunderung einheimsen 😉 .
  • Astronomische Touren: Das Fleckchen Erde dort ist einer der dunkelsten Plätze der bewohnten Welt und so lohnt sich Nachts ein Blick in den Himmel, am besten noch begleitet von Fachpersonal…
  • Ranger Programs: Es gibt verschiedene Programme, ein Blick ins Parkprogramm lohnt sich.
  • Pferdchen reiten: Auch das kann man gefühlt in jedem NP des amerikanischen Westens. Ich bin leider kein Fan von solchen geführten Touren, in denen jeder Nicht-Reiter auf die Tiere draufgesetzt wird und man keine Ahnung hat, wie die Tiere gehalten werden. Der Vollständigkeit halber sei es aber hier aufgeführt 😉 .

Bryce Canyon NP
Ein süßes Baby-Reh (oder Hirsch?), aus dem Auto heraus fotografiert

Lohnt sich eine Wanderung in Bryce?

Ja, unbedingt! Nur so taucht man ganz in die Welt der Hoodoos ein, kommt ihnen nah und kann die faszinierende Flora und Fauna bestaunen und entdecken. Ich habe meine Wanderung auf dem Fairyland Loop Trail total genossen und möchte sie auf keinen Fall missen.

Trotz hoffnungsloser Überfüllung kann ich den Queens Garden und Navajo Loop Trail empfehlen (kann man gut kombinieren). Die Hoodoos sind hier mit am größten und man läuft mitten durch, es hat mich doch sehr beeindruckt. Man braucht dafür ca. zwei Stunden.

Bryce Canyon NP
Der Queens Garden Trail führt direkt an und durch die Hoodoos…

Wenn sie geöffnet ist, würde ich auf jeden Fall durch die Wall Street laufen, auf Bildern sieht das fantastisch aus! Leider war sie bei meinem Besuch gesperrt.

Bryce Canyon NP
Enge Felsschluchten auf dem Navajo Loop

Two Bridges
Die „Two Bridges“. Für ein einsames Foto an dieser Stelle muss man sich anstellen…

Außerhalb des Nationalparks, abzweigend vom Highway 12, gibt es auch noch eine andere leichte Wanderung: Mossy Cave. Der Trail ist allerdings nur 1,3 km und lohnt sich eher für einen kurzen Zwischenstopp. Zumindest der Parkplatz war gesteckt voll.

Aber wieso soll man denn nur einen Tag bleiben?

Ich persönlich fand das Wandern in Bryce nicht so spannend wie in anderen Gebieten im Wilden Westen. Wieso? Zum einen hat es mich genervt, so viele Höhenmeter zu laufen, ohne eine richtige „Belohnung“. Wartet ein besonderes Erlebnis am Ende wie in Coyote Gulch? Eine tolle Aussicht wie auf einem Pass oder Berggipfel? Eine Verschiebung der Perspektive und Erfassung der Dimensionen wie im Grand Canyon? Nein. Man läuft schon 10 Meter unter der Rim in den Hoodoos und das verändert sich nicht, je weiter man nach unten läuft.

Zum anderen ist es doch recht eintönig. Sieht man sie das erste Mal, haut einen der Anblick der Hoodoos fast um. Doch es ändert sich nicht wirklich was, und nach ein paar Stunden hat man sich dann auch irgendwann satt gesehen. Auch die Wege sind nicht spannend zu gehen, da sie alle total plattgewalzt sind.

Es gibt nur wenige gute Loops im Park, für viele Strecken bräuchte man zwei Autos, um dann am Ende auch wieder weg zu kommen. Also ist die Auswahl für Tageswanderer eh schon sehr begrenzt.

Und zu guter Letzt, das Zentrum des Parks ist hoffnungslos überlaufen und ausgetrampelt, mir war das viel zu wenig Natur und viel zu viel „Ausflugspark“.

Also: perfekt für einen Tag zum entdecken, drüber freuen und dann weiter fahren 😉 .

Bryce Canyon NP
Die Wege sind ausgesprochen gut ausgebaut und absolut eben

Am Rainbow Point ist doch bestimmt nicht mehr so viel los…

Ja, das stimmt. Und hier kann man bestimmt auch einsamere, schöne Touren machen. Allerdings ist die Hoodoo-Dichte hier nicht mehr so hoch wie im Amphitheater (bei Sunset Point & Co.), solche Landschaft gibt es hier sehr oft in der Gegend (außerhalb des NPs)

Bryce Canyon NP
Der Ausblick von einem der Aussichtspunkte auf dem Weg zum Rainbow Point

Mein Tipp: Der Fairyland Loop Trail

Die Zufahrt zum Fairyland Loop Trail liegt noch außerhalb der gebührenpflichtigen Zone und so kann man den Wanderweg ohne die Eintrittsgebühr genießen. Es war außer mir nur eine andere Gruppe im oberen Bereich unterwegs und bald war ich ganz alleine.

Bryce Canyon NP
Ein beeindruckender Himmel lässt alles intensiver erscheinen

Nun, nicht ganz alleine, Tom Waits hat mich im Ohr begleitet und so wurde es eine richtig coole Wanderung.

Bryce Canyon NP
Riesige Hoodoo-Berge auf dem Faryland Loop Trail

Die Landschaft ist nicht ganz so spektakulär einzigartig wie direkt im Amphitheater, es gibt deutlich weniger Hoodoos. Aber auch deutlich weniger Menschen. So ist der Trail nicht so geeignet, um umwerfende Fotos von Hoodoos zu machen, aber umso mehr, so richtig in die Landschaft einzutauchen. Und Hoodoos gibt es trotzdem noch zur genüge 😉 .

Bryce Canyon NP
Es gefällt mir richtig gut…

Bryce Canyon NP
Die Farbe wechselt zwischen tiefem Orange und sanften Cremetönen

Leider bin ich erst Nachmittags gestartet und habe den Loop nicht mehr ganz laufen können, aber ich kann den Trail jedem nur ans Herz legen! Auch wenn der Wow-Effekt auf dem Trail nicht das Optimum erreicht, empfand ich die „Natur“ hier viel präsenter als im ausgebauten Touri-Hotspot nebenan.

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Das späte Nachmittagslicht bringt die Steine zum leuchten

Ein perfekter Tag im Nationalpark

-Fairyland Loop Trail laufen
-Besucherzentrum besuchen
-Das Amphitheater vom Inspiration Point bewundern
-10 Minuten den Queens Garden Trail hinunter laufen
-Alle Aussichtspunkte bis zum Rainbow Point anfahren

Würde ich nochmal meinen Aufenthalt am Bryce Canyon planen, würde ich es genau so machen!

Zelten am Bryce Canyon

Die Campground direkt im Nationalpark sind wohl am praktischsten und schönsten, aber leider sind sie auch super schnell ausgebucht. Ich habe keinen Platz mehr bekommen und habe im Bryce Canyon Pines Campground gezeltet, ca. 20 min weg vom Nationalpark. Der Campground ist ganz nett, liegt aber gleich neben dem Scenic Highway 12 (bei einer Tankstelle). Aber auf jeden Fall zu empfehlen, sollte man wie ich für die Campgrounds im NP zu spät dran sein 😉 .

Bryce Canyon Pines CG
Mein Zeltplatz

Ein paar Fototipps

Ich fand am spektakulärsten den Inspiration Point. Leider ist das wohl auch das abgedroschenste Fotomotiv, hier reihen sich zum Sonnenaufgang die Fotografen am Geländer. Es ist also durchaus zu empfehlen, die Wanderschuhe zu schnüren und sich schöne Motive auf den Trails im Canyon zu suchen, egal ob auf oder unter der Rim. Je früher, desto einsamer ist es. Oder man hat ein Teleobjektiv dabei und sucht von oben nach interessanten Motiven.

Sunrise
Der Inspiration Point bei Sonnenaufgang

Bryce Canyon NP
Besonders bekannt ist das Motiv „Thors Hammer“, hier bei Sonnenuntergang

Viel wichtiger als das Motiv ist jedoch die Zeit: Vor allem bei Sonnenaufgang fängt der rote Stein zu glühen an, als hätte jemand ein Licht im Innern angeschaltet. Auch am späten Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang, konnte ich das beobachten, allerdings nicht mehr so stark.

Glow
Der wunderbare „Glow“ am Morgen

Glow
Als wäre ein Licht ihm hohlen Stein…

Bei Sonnenuntergang liegt der Großteil der Hoodoos leider im Schatten. Man kann natürlich trotzdem stimmungsvolle Bilder machen. Ich habe ja meinen zweiten Sonnenuntergang verpasst, weil ich so viel Zeit im Besucherzentrum verbracht habe 😉 .

Bryce Canyon NP
Bei Sonnenuntergang liegen die Hoodoos im Schatten – in meinem Fall hat das aber gar nix gemacht 😉

Backpacking bzw Trekking

Hat man etwas Zeit kann man eine Mehrtagestour in Bryce machen. Achtung: Die Permits sind dafür immer richtig schnell weg und man muss sich obendrein noch ein Shuttle organisieren (Trampen ist im Nationalpark verboten!). Es gibt zwar einen Bus zum Rainbow Point, allerdings fährt der nur sehr unregelmäßig und manchmal auch gar nicht.

Die einzigen lohnenswerten Strecken sind (meiner bescheidenen Meinung nach):
– Under-the-Rim Trail, 36.9 km (vom Yovimpa / Rainbow Point zum Swamp Canyon oder Bryce Point)
– Riggs Spring Loop Trail, 14.2 km (vom Yovimpa Point in  einem Loop zum Rainbow Point)
Alles andere ist NICHT zu empfehlen, da entweder zu kurz oder mit Horden von beschlappten Touristen überflutet.

Vorteil vom Trekking wäre, dass man wahrscheinlich ungestörter wandern kann und nicht allzu viele Höhenmeter hat. Nachteil ist, dass man zumeist „unter der Rim“ von Süd nach Nord (oder andersrum) läuft und dass es, wie schon bei den Tagestouren erwähnt, nicht sonderlich viel Abwechslung bietet.

Fazit

Ein Nationalpark mit WOW Effekt. Viel mehr kann er dann aber auch nicht mehr bieten, wodurch man sich nach ausgiebigen Staunen ruhigen Gewissens anderen Sehenswürdigkeiten zuwenden kann 😉 .

Bryce Canyon NP
Sonnenaufgang vom Inspiration Point aus gesehen

Wart ihr auch schonmal im Bryce Canyon, vielleicht auch auf einer längeren Wandertour? Wie waren eure Erfahrungen und Gedanken?

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